Die von einem Dutzend Bewohnern der Altstadt geforderte Stadtteilversammlung (24.10.07, barocker Stadtsaal) war erfolgreich, was die Beteiligung und die lebendigen Wortmeldungen der betroffenen Bewohner betrifft.
Erstes Thema: Verkehrsberuhigung, aber nicht Schließung der Altstadt – man war allgemein der Meinung, dass die derzeit verordnete Spielstraßen-Regelung ausreichte, wenn sie nur eingehalten würde. Was noch viel zu wenig gelingt. Vielen Autofahrern muß erst bewusst werden, dass Spielstraße Schrittgeschwindigkeit bedeutet, und das sind eben nicht 30 km/h, sondern höchstens 5-7 km/h. Polizeiliche Überwachung und die von Funktionären der Politik am Podium wieder einmal in schneller Einfalt geforderten Strafen „zur Abschreckung“ haben schon deshalb keine Chance, weil selbst der Chef der Polizei diese als „unrealistisch“ vor dem sonstigen Arbeitsaufwand seiner Behörde bezeichnet. Also muß es andere Wege geben, die bereits bestehende Lösung durchzusetzen: vorgeschlagen wurde u.a. ein Stadtspiel zur Langsamkeit. Einen Tag des Langsamfahrens einrichten, an dem einmal nicht immer nur die unseligen Reflexe des Übertrumpfens gelten?! Dieses immerwährende der erste sein wollen, der schnellste, der ausdauerndste, der machgierigste (Stadtlauf, Turmlauf, Radlauf, Halbmarathon, etc ) Da dieser Vorschlag zur Langsamkeit nicht von den Politikern kam, war er - kaum ausgesprochen - schon vergessen
Andere Themen: Mobilität und Lebensqualität, vor allem auch die Nachtruhe der Altstadtbewohner sollen nicht noch mehr durch unsinnige Festl-, Markt- und andere „Stadtbelebungsaktionen“ behindert werden, auch nicht durch Nachtlokale. Stadtmarketing Gsaller fand dazu keine Worte, er flüchtete sich in Reklame: Doch was er als „Wir-Gefühl“ und „beispielgebend für ganz Österreich“ für sich verkaufen wollte, wurde von den Bürgern mit wenigen Worten abgewiesen. Eine Geschäftsfrau fragte, wer denn dafür verantwortlich sei, dass die Bewohner von den Behinderungen immer erst viel zu spät erfahren, ob es da keine Koordination gibt ( - da hörte man von Gsaller, dem diese Aufgabe übertragen ist, dann kein Wort -), ein anderer meinte, dass es mit dem ganzen „Schaas“ von überflüssigen Radieschen und Knödln und Fischen usw. doch mal Schluß sein müsse: die Leute, die in der Stadt schlafen, müssen den Radau der betrunkenen Besucher viel zu oft verkraften. Diese Bewohner der Stadt seien das Lebendige, nicht die Zufallsgäste von außen.
Wie überhaupt die gesamte Veranstaltung seitens der politischen Klasse nicht über das bemühte „Abführen“ einer demokratie-politisch scheints notwendigen Pflichtübung hinausging. Wie ernst die Sache ist, war den einigermaßen gut vertretenen Parteien an sich klar; dass der für den Verkehr Verantwortliche (Visintainer vom Bündnis der Rosa-goldigen) nicht anwesend war, überraschte keinen. Man war gekommen, die lästige Verpflichtung hinter sich zu bringen. Man wählte den akustisch für Dialog unbrauchbarsten Saal der Stadt, man baute die üblichen herrschaftlichen Grenzen auf: am Podium – oben - die „Fachleute“, die Direktoren: Stadtverwaltung, Stadtmarketing, Stadtbauamt. Unten das Volk. (Daß es anders auch geht, zeigt die seit kurzem eingeführte neue Sitzordnung des Gemeinderats, wo man sich endlich einmal in die Augen zu schauen begonnen hat.)
Das alles liebevoll moderiert von unserem Bürgermeister, der keinem weh tun will, womit er das für Hall typische Klima des belanglosen Herum- und Aneinander Vorbei Redens nur verstärkt – er beschwichtigte die erstaunend klaren Wortmeldungen der Bürger und liess deren tatsächliche Anliegen in einem Sumpf selbstgefälliger Funktionärs-Werbe-, Selbstlob- und „Wir machen das schon, aber keiner ist perfekt“-Sprüchen untergehen. Verena Schebrak von der „slowcity“- Bewegung forderte die Einrichtung einer ARBEITSGRUPPE, in der Betroffene aller Richtungen (Altstadtbewohner, Geschäftsleute, Kulturschaffende, Denkmalamt, Stadtplanung, Politiker, TVb, Wirte) regelmäßig zusammen arbeiten, als konkretes Ergebnis der Veranstaltung. Mal schaun, was draus wird!
PS: Sollen wir uns entmutigen lassen, weil es im bisherigen Machtspiel noch immer so war, dass man „die unten“ reden lässt, während „die oben“ sich’s richten?! Manche Politiker glauben ja immer noch, dass die Bürger in der sogenannten „repräsentativen“ Demokratie nur für das Ankreuzen auf Wahlformularen geeignet sind. Sollen wir uns von den ständigen Misserfolgen der „Fachleute“ entmutigen lassen? Müssen wir zusehen, wie diese Stadt verspielt wird? (Stadtwerke Ah Geh! Salz der Stadt?? Selten noch ist es einer politischen Macht in so kurzer Zeit gelungen, das „Familiensilber“ (um mit MS zu sprechen) zu verjuxen. Vor kurzem noch hatten wir gut funktionierende Stadtwerke; Jetzt haben wir da neue Sprüche und vier (anstatt einem) gut bezahlte Direktoren. Wo sind die Aufsichtsräte? Uns ein „Wir-Gefühl“ einzureden, wo „wir“ doch nur gemeint ist, wenn es um Umsatz geht? Wo Kulturträger wie die Galerie St.Barbara, die seit 40 Jahren beispielhaft für Hall arbeiten, bei den „Wir-Gefühl“-Funktionären nicht vorkommen, aber auch andere nicht, z.B. die ebenso vorbildlich arbeitende Musikschule, auf deren die Stadt belebende junge Kräfte man ohneweiters im Machtkampf des „Wir-Gefühls“ nach der Ausschaltung aller kulturellen Interessen im TVb verzichtet hat. Als das Stadtmarketing vor mehr als 10 Jahren gegründet wurde, forderten wir als vierte Kraft darin auch die Kultur. Es gibt einen Schlichtungsausschuß, bestehend aus Stadt, Kaufmannschaft, TVb. Wir fordern da hinein zusätzlich zwei Vertreter der Kulturarbeit. Und wir fordern einmal im Monat eine Arbeitsgruppe „Stadt und Leben“.
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